Instituts für Sexualwissenschaft

Das Instituts für Sexualwissenschaft

1919 gründete Magnus Hirschfeld das “Institut für Sexualwissenschaft” (IfS), das schnell weltweite Anerkennung gewann. Für das Institut kaufte Hirschfeld das Haus Beethovenstraße 3 im Berliner Alsenviertel.

Regelmäßige Vorträge, Kurse und Beratungen über sexuelle Probleme gehörten ebenso zur Arbeit des Instituts für Sexualwissenschaft wie der Versuch einer internationalen Vernetzung der Sexualwissen­schaft. Das IfS war international bald so bekannt, dass unter Berufung auf seine Forschungsergeb­nisse die Sexualstrafgesetze der Sowjetunion, Norwegens und der Tschechoslowakei gelockert wurden. 1921 veranstaltete das IfS die „1. Internationale Tagung für Sexualreform auf wissen­schaftlicher Grundlage“, auf einem weiteren Kongress in Kopenhagen wurde 1928 die „Weltliga für Sexualreform“ gegründet und Magnus Hirschfeld zu einem ihrer Präsidenten gewählt.

In erster Linie war das Institut eine ambulante Einrichtung zur Beratung bei Sexualproblemen und zur Untersuchung, Begutachtung und Behandlung sämtlicher Sexualstörungen. Nicht zuletzt war es ein Zufluchtsort für Menschen in sexueller Not. Als Archiv zur Sammlung, Sichtung und Bearbeitung sowie Museum zur Demonstration sexualwissenschaftlicher Publikationen und sonstiger einschlägig relevanter Dokumente aller Art war das Institut ein Anziehungspunkt im Berlin der ‘roaring twenties’. Für die Fortbildung von Ärzten diente es als Lehr- und Schulungsstätte, für interessierte Laien als Vortragsort, wobei Hirschfeld – wie sein lange wichtigster Mitarbeiter Arthur Kronfeld – durch Vortragstätigkeit auch in Volkshochschulen und sonstigen Bildungseinrichtungen von Berlin und weit darüber hinaus wirkte.

Magnus Hirschfeld schuf mit dem Institut für Sexualwissenschaft einen institutionellen Rahmen für die Fortentwicklung seiner „Theorie der sexuellen Zwischenstufen“. Hirschfeld meinte, dass zwischen den beiden Polen des Mannes ohne weibliche und der Frau ohne männliche Eigenschaften „intersexuelle Varianten“ existierten, zu denen er unter anderem Homosexuelle, Hermaphroditen, Androgyne und Transvestiten zählte. Er ging davon aus, dass alle diese Varianten angeboren seien und somit auch nicht dem freien Willen unterlägen. Eine strafrechtliche Verfolgung verbiete sich deswegen. Hier zeigt sich, dass es Hirschfeld bei seinen Theorien auch immer um den Kampf gegen die Strafbarkeit der Homosexualität ging.

Die Machübernahme der Nationalsozialisten brachte auch das Ende des Instituts für Sexualwissenschaft. Am 6. Mai 1933 wurde Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft gleich zwei Mal geplündert: am Vormittag durch Mitglieder der nationalsozialistischen „Deutschen Studentenschaft“ und SA-Männer, am Nachmittag noch einmal durch Studenten der Tierärztlichen Hochschule 12.000 Bände der Bibliothek wurden abtransportiert, ein Teil der Bücher und eine Büste Hirschfelds wurden am 10. Mai auf dem Berliner Opernplatz verbrannt. Hirschfeld selbst war von seiner Ende 1930 angetretenen Weltreise auf Anraten von Freunden nicht zurückgekehrt. Am 18. November 1933 kam es schließlich auch zur formellen Enteignung Hirschfelds: die Gestapo verfügte, das gesamte Vermögen der „Dr. Magnus-Hirschfeld-Stiftung“ einzuziehen.

In seinem Pariser Exil unternahm Magnus Hirschfeld zusammen mit seinen Freunden Tao Li und Karl Giese den Versuch, das Institut für Sexualwissenschaft neu zu gründen. Dieser scheiterte aber. Über die genauen Umstände ist nur wenig bekannt.

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